DDR-Bauten im Bestand - TGL-Anforderungen verstehen und schutzzielorientierte Nachweise entwickeln

Seminar

Webcode: UDS441

Ziel

Ein erheblicher Teil des Gebäudebestandes in den neuen Bundesländern wurde nach dem Baurecht der DDR sowie den Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen (TGL) errichtet. Viele dieser Gebäude werden bis heute genutzt, modernisiert, umgebaut oder für neue Zwecke angepasst. Dabei stellt sich regelmäßig die Frage, wie die ursprünglich geltenden brandschutztechnischen Anforderungen einzuordnen sind und welche Nachweise für die Erfüllung heutiger Schutzziele erforderlich werden.

Für die fachgerechte Beurteilung solcher Bestandsbauten genügt die Kenntnis aktueller Vorschriften allein häufig nicht. Erforderlich ist vielmehr ein Verständnis der historischen Regelwerke, ihrer Systematik und der brandschutztechnischen Grundprinzipien, die den industriellen Bauweisen der DDR zugrunde lagen. Nur so lassen sich vorhandene Gebäude fachgerecht bewerten und genehmigungsfähige Lösungen entwickeln.

Das Seminar vermittelt die hierfür notwendigen Grundlagen und vertieft sie anhand typischer TGL-Bauten aus dem Wohnungs-, Gesellschafts- und Industriebau. Nach einer Einführung in die rechtlichen Rahmenbedingungen, den Bestandsschutz und dessen praktische Bedeutung werden die wesentlichen TGL-Regel­werke vorgestellt und den heutigen bauordnungsrechtlichen Anforderungen gegenübergestellt.

Im Fokus steht die schutzzielorientierte Bewertung bestehender Gebäude. Die Teilnehmer lernen, die ursprüngliche brandschutztechnische Konzeption eines Bauwerks nachzuvollziehen, Abweichungen zu analysieren und daraus geeignete Kompensationsmaßnahmen abzuleiten. Behandelt werden typische Fragestellungen zu Tragwerken, Brandabschnitten, Rettungswegen, Abschlüssen, Leitungsführungen sowie zu den Auswirkungen geänderter Nutzungen und gestiegener Brandlasten.

Anhand praxisnaher Beispiele wird gezeigt, wie belastbare und genehmigungsfähige Argumentationen für Bestandsgebäude entwickelt werden können. Ziel des Seminars ist es, die Besonderheiten von TGL-Bauten sicher einzuordnen, Abweichungen nachvollziehbar zu bewerten und darauf aufbauend wirtschaftlich tragfähige sowie schutzzielgerechte Brandschutzkonzepte für den Bestand zu erarbeiten.

Aus dem Inhalt

27. April 2027
Grundlagen und rechtlicher Rahmen

  • Historische Entwicklung des Baurechts der DDR zur Bundesrepublik Deutschland
  • Bestandsschutz im Einigungsvertrag
  • Grenzen des Bestandsschutzes

TGL-Systematik 

  • Aufbau und Inhalte der TGL 10685 und relevanter Spezial‑TGL
  • Typenbauprinzip und brandschutztechnische Besonderheiten von DDR-Bauten
  • Konstruktive Merkmale und deren Einfluss auf die Bewertung im Bestand
  • Einordnung von TGL-Anforderungen in die heutigen Regelwerke

Industrielle Bauweisen in der DDR im Überblick

  • Charakteristik und Konstruktionsgrundrisse
  • Wohnungsbau
  • Gesellschaftsbau
  • Industriebau

Risikobewertung im Bestand

  • Auswertung vorhandener Bestandsunterlagen
  • Umgang mit unvollständiger Dokumentation
  • Schutzzielorientierte Bewertung der Abweichungen vom aktuellen Baurecht
  • bautechnischen Abweichungen im Ist-Zustand
  • Bewertung von Änderungen und Nutzungsanpassungen

Entwicklung schutzzielorientierter Maßnahmen

  • Bewertung typischer Abweichungen
    • Tragwerk, Rettungswege, Brandabschnitte
    • Türen, Abschottungen, Installationen
  • Ableitung von Kompensationsmaßnahmen
  • Nachweisführung gegenüber Genehmigungsbehörden
     

28. April 2027
Vertiefung DDR-Schulbau

Schutzziele und Sicherheitsphilosophie des DDR-Schulbaus

  • Überblick über typische Schulbauserien
  • Anforderungen der TGL 10734 „Schulen“
  • Brandabschnittsbildung, Feuerwiderstände
  • Rettungswegkonzept
  • Entrauchung, Alarmierung, Sicherheitsbeleuchtung
  • Löschwasserversorgung und Feuerwehrzugang

Typische Problemstellungen bei Sanierung und Modernisierung

  • Veränderung von Rettungswegen und Flurstrukturen
  • Austausch von Türen und Verglasungen
  • Brandlasten in Fluren und Technikbereichen
  • TGA: Nachrüstung von Leitungsanlagen, Sicherheitsbeleuchtung, Alarmierung
  • Umgang mit fehlenden Verwendbarkeitsnachweisen

Schutzzielorientierte Bewertung und Entwicklung von Maßnahmen

  • Soll-Ist-Vergleich, Risikobeurteilung für den Schulbetrieb
  • Kompensatorische Maßnahmen im Bestand
  • Kombination baulicher, anlagentechnischer und organisatorischer Maßnahmen

Vertiefung Wohnhochhäuser der DDR 

Grundlagen des TGL-Hochhausbrandschutzes

  • Anforderungen an vielgeschossige Gebäude und Hochhäuser
  • TGL 10723 und relevante Regelwerke
  • Ursprüngliche Sicherheitskonzepte
  • Konstruktive Besonderheiten

Typische Abweichungen im heutigen Bestand

  • Rettungskonzept (Öffnungsverschlüsse, Treppenräume, Abschottungen)
  • Elektro- und Leitungsanlagen
  • Keller- und Technikbereiche

Entwicklung wirtschaftlicher Nachrüstungskonzepte am Praxisbeispiel

Dozent

Dipl.-Ing. Thorsten Prein
Brandschutzsachverständiger, Büro für Brandschutz Prein + Partner 

Abschluss

EIPOS-Teilnahmebescheinigung